Veröffentlichungen

Neuste Bucherscheinungen:

Hannah von Bredow

Bismarcks furchtlose Enkelin gegen Hitler

von Reiner Möckelmann

Theiss Verlag , April 2018

Der Autor Reiner Möckelmann berichtet in einer Biografie über die beeindruckende Lebensgeschichte von Hannah von Bredow.

Hannah, geb. Gräfin von Bismarck-Schönhausen (1893 – 1971), Tochter von Herbert Fürst von Bismarck-Schönhausen und Marguerite Gräfin Hoyos Freiin zu Stichenstein, heiratete im Jahr 1915 Leopold Waldemar von Bredow aus dem Haus Bredow (1875 – 1933, Stammlinie Bredow,     2. Zweig, Koss S. 103). Das Paar hatte acht gemeinsame Kinder, sowie eine Tochter aus erster Ehe Leopolds, der bereits verwitwet gewesen ist. Doch schon 1933 starb Leopold und Hannah war für die große Kinderschar in schwierigen Zeiten alleine verantwortlich.

Hannah hatte den scharfen Verstand und die politische Weitsicht ihres Großvaters, des Reichskanzlers Otto Fürst von Bismarck geerbt. Doch sie war ein Kind ihrer Zeit sowie ihrer Herkunft und führte deshalb gemäß konservativer Vorstellungen ein Leben auf den häuslichen Kreis der Familie und des privaten gesellschaftlichen Umfelds beschränkt. Somit trat sie trotz ihrer Talente und Interessen politisch bzw. öffentlich nicht in Erscheinung. Aber Hannah von Bredow war an den politischen Entwicklungen äußerst interessiert und verfolgte das Geschehen akribisch. Sie hatte vor allem durch ihre gesellschaftliche Stellung, aber auch durch zwei ihrer Brüder, die bis in den Krieg hinein linientreu waren, Kontakte zu einer Vielzahl von in der Politik bedeutenden Akteuren aller Seiten, sowie zu zahlreichen interessanten Personen des Zeitgeschehens und sie führte intensive Gespräche, wo sie nur konnte. Sie verarbeitete dadurch eine Unmenge von Informationen. Hannah sah sehr schlecht, hatte aber ein umso besseres Gehör, weshalb sie in Menschenansammlungen sehr viel um sich herum mit bekam, was niemandem auffiel, ihr aber viele interessante Erkenntnisse einbrachte. Zudem war ihr Gedächtnis außergewöhnlich, so dass sie die Inhalte aus den unzähligen Gesprächen rekapitulieren und zusammen führen konnte.

Daraus bildete sie sich ihre eigene Sicht der Dinge, die sie in unzähligen Briefen an Vertraute und in endlosen Tagebuchaufzeichnungen zu Papier brachte. Trotz Zensur, der sie sich nur zu bewusst war, sind ihre Briefe erstaunlich direkt, womit sie natürlich ein großes Risiko einging.

Es ist bemerkenswert, wie sie viele folgenreiche Ereignisse schon weit voraus, sehr exakt prophezeite und wie treffsicher sie die Geschehnisse analysierte. Bereits sehr früh erkannte sie die Gefährlichkeit Hitlers, wie auch des Nationalsozialismus und lehnte beides entschieden ab. Dabei schreckte sie nicht zurück, ihre Meinung kund zu tun. Sie nahm meist kein Blatt vor den Mund und sagte jedem, was sie über den Nationalsozialismus dachte. Ihre scharfe Zunge machte sie zu einer brillanten Diskussionspartnerin. All das hatte eine Vielzahl von Denunziationen zur Folge.

Trotz aller Repressalien, denen die Bevölkerung zur Zeit des sogenannten Dritten Reichs ausgesetzt war, führte Hannah von Bredow ein widerständiges Leben und boykottierte das System, wo sie nur konnte, sehr oft auch in alltäglichen Dingen. Sie war zudem Mitglied in der Bekennenden Kirche und im Solf Kreis. Weiterhin hatte sie, zum Teil sehr enge Kontakte zu Umstürzlern und half Verfolgten. All das war für sie äußerst gefährlich. Da sie aus ihrer politischen Haltung keinen Hehl machte, geriet sie in das Visier der Gestapo, konnte sich jedoch, auch durch mutiges und selbstbewusstes Auftreten, zweimal vor einer Verhaftung retten. Vermutlich war ihre Abstammung von Bismarck der Hauptgrund, warum das Regime lange nicht hart durchgegriffen hat, da man möglicherweise die negative Presse, die eine Verhaftung der Enkelin des Reichskanzlers zur Folge gehabt hätte, vermeiden wollte. Und auch ihre Brüder sind ein gewisser Schutz gewesen. Aber nach dem Attentat vom 20. Juli half auch das alles nicht mehr. Sie wurde trotz schwerer Krankheit mehrfach im Krankenhaus verhört, konnte sich aber durch geschickte Argumentation retten. Aktiv im Widerstand hat Hannah nicht mitgewirkt, vermutlich auch aufgrund der alleinigen Verantwortung für ihre Kinder.

Glücklicherweise ist eine Vielzahl des umfangreichen schriftlichen Materials, das Hannah von Bredow hinterlassen hat, erhalten geblieben und wurde in Teilen durch Reiner Möckelmann ausgewertet. Hannah selbst sah ihre Lebensgeschichte als nicht bedeutsam genug an, um darüber zu berichten. Doch ihre zeitaktuellen Niederschriften, ihre scharfsinnigen Rückschlüsse und ihr Kontakt zu vielen, am politischen Geschehen Beteiligten, machen ihre Niederschriften zu einer wichtigen Quelle für die historische Forschung. Aber auch ihr Mut, ihre Opposition und ihre Weitsicht gehören endlich gewürdigt.

Es war an der Zeit, dass das Leben dieser mutigen Frau in dieser gut geschriebenen Biografie der Öffentlichkeit zugänglich gemacht und gewürdigt wurde. (DvB)

MAZ-Online zu Hannah von Bredow: Nazi-Anhänger und-Widerstaendler in einer Familie

Es gibt eine Dokumentation erstellt von 3Sat mit dem Titel „Hitler und der Adel“. Durch diese Dokumentation ziehen sich die Tagebuchaufzeichnungen Hannah von Bredows, in denen sie vor Hitler warnt und die Ereignisse treffend prognostiziert, als roter Faden. Auch ihr Sohn Leopold-Bill kommt zu Wort. Die Dokumentation ist unter Eingabe des Titels in einer Suchmaschine im Internet leicht zu finden.

Eugenie von Bredow und Rudolf Steiner im Havelland

Eine unbekannte Begebenheit der frühen Anthroposophie

von Johannes Kiersch und Alma Wichmann-Erlen

Info3 Verlag , April 2018

Eugenie von Bredow, geb. Gräfin von Schwerin-Wildenhoff (1860 – 1922), war seit 1879 mit Max Hermann von Bredow-Landin (1855 – 1918), dem Besitzer des gleichnamigen havelländischen Guts verheiratet. Das Paar hatte zwei Töchter und einen Sohn.

Eugenie war bekannt für ihre charmante Liebenswürdigkeit und Gastfreundschaft, wovon auch Fontane berichtete. So trug sie als Gutsherrin zu der Anziehungskraft des Landiner Hauses entscheidend bei.

Als geistig gebildete, aufgeschlossene und interessierte Frau hatte sie zahlreiche Kontakte, so u.a. auch zu Rudolf Steiner, dem Schöpfer der Anthroposophie, und seinem Kreis. Dieser Kreis hielt im Jahr 1906 ein mehrtägiges Arbeitstreffen in Landin ab, bei dem auch Steiner anwesend war.

Dieses Buch behandelt in erster Linie Eugenies anthroposophische Arbeit und gibt dabei einen groben Überblick über die frühe Entwicklung dieser Lehre. Es ist keine Biografie. Die Autoren haben sich aber intensiv mit Eugenies Leben, wie auch mit Landin auseinander gesetzt und haben ihre Erkenntnisse in das Buch einfließen lassen. Ziel des Buchs war es jedoch, die Entstehung der Anthropo-sophie und Eugenies Bedeutung dabei ans Tageslicht zu bringen, denn es stellte sich heraus, dass Eugenie u.a. in Briefen an Rudolf Steiner einige wichtige Impulse für die Entwicklung der Anthroposophie gegeben hat.

Auch zu Theodor Fontane, der 1889 eine Woche in Landin Gast gewesen ist, hatte Eugenie brieflichen Kontakt. Das vorliegende Buch beinhaltet Beschreibungen des Landiner Gutshauses und seiner Bewohneraus aus der Feder Fontanes. Der letzte Brief Fontanes an Eugenie ist zudem abgebildet.

Weiterhin finden sich im Buch mehrere schöne Aufnahmen von Landin und von Eugenie, sowie eine Kindheitserinnerung von Max-Wichard von Bredow-Landin mit dem Titel „Der Heilige Abend in Landin“.

Das Buch wird im Anhang mit Mantren Steiners für Eugenie, einer Zeittafel, einem Stammbaumauszug, sowie mit einer kurze Beschreibung des heutigen Landin abgeschlossen. (DvB)